Wundervolle Weitblicke mit Toskana-Flair

Wingertsheisjer Wanderweg lockt nach Westhofen / Idee stammt von Michael F. Jung

Der Wingertsheisjer Themenwanderweg führt auf naturnahen Wegen insgesamt 8,8 Kilometer durch die Gemarkung von Westhofen.

14.07.2021
Wonewgau Picknick

Sie sind aus der Landschaft im Wonnegau nicht wegzudenken: die „Wingertsheisjer“. Die Heisjer, das sind die kleinen Häuser in den Weinbergen, die sich in unterschiedlichster Form immer wieder versteckt hinter den Weinreben entdecken lassen. Früher dienten sie als Unterstand, wenn es regnete und die Arbeit unterbrochen werden musste. Während der Weinlese wurden die Mahlzeiten vor Ort eingenommen oder die Trauben dort zum Schutz untergestellt. Für einige Winzer waren sie auch Prestigeobjekt, gerade wenn man an die Miniaturburgen in Osthofen denkt.

Vom Trullo bis zur Miniaturburg

Die Vielfalt der 101 Heisjer im Wonnegau ist einzigartig. Vom klassischen Trullo über kleine Türme bis hin zu Miniaturburgen ist alles mit dabei. 14 davon lassen sich auf dem Westhofener Wingertsheisjer Wanderweg entdecken und erkunden – jedes von ihnen mit einem außergewöhnlichen Namen und einer ganz eigenen spannenden Geschichte. Namensgeber und Initiator der Westhofener Wingertsheisjer ist Michael F. Jung. Er hat sich vor einiger Zeit den Wingertsheisjer verschrieben, sie über Jahre hinweg katalogisiert und deren Geschichten zusammengetragen. Für jedes einzelne hat er sich einen klangvollen Namen ausgedacht, wie zum Beispiel das „Liebesnest“, die „Kommandozentrale“, das „Missions-Heisje“ oder auch das „Chinesische Heisje“. Zu jedem dieser Wingertsheisjer kann er Geschichten und Anekdoten erzählen. Viele davon wurden ihm von den Winzern weitergetragen, in deren Weinbergen die Heisjer stehen. Aber für so manches musste auch telefoniert und recherchiert werden. Manche der Heisjer gehen bis ins Jahr 1766 zurück.
  

Die Kneipp-Gesundheitsanlage in der Ohligstraße in Westhofen wird von den Wanderern gerne zur Regeneration genutzt.
Die Kneipp-Gesundheitsanlage in der Ohligstraße in Westhofen wird von den Wanderern gerne zur Regeneration genutzt.

Die Idee wurde vom Bürgermeister in Westhofen nur zu gern aufgegriffen und umgesetzt. Und immer wieder ist Michael F. Jung natürlich vor Ort unterwegs. Wenn er mit seinem Hund draußen in den Weinbergen ist, schaut er in den Heisjern nach dem Rechten und sorgt dafür, dass alle in einem guten Zustand bleiben.

Wer noch mehr über die Heisjer erfahren möchte, der kann an einer geführten Wanderung der Wonnegauer Gästeführer teilnehmen oder den Weg mit dem Smartphone auf eigene Faust erkunden. Hinter den QR-Codes an den Heisjern verstecken sich viele weitere interessante Geschichten.

Aber nicht nur die Wingertsheisjer, sondern auch schön angelegte Wege durch die Weinberge und wundervolle Weitblicke überraschen die Wanderer auf ihrer Tour. Kein Wunder, dass so manch einer vom „toskanischen Flair“ der Region schwärmt.

Zwei Routen zur Auswahl

Insgesamt werden zwei Routen angeboten. Route 1 endet vor den Toren Westhofens, bei der Route 2 tauchen die Wanderer noch ein in den historischen Teil der Gemeinde. Das lohnt sich auf jeden Fall. Erfrischung für die Füße gibt es an den Kneipp-Anlagen, Genuss für den Gaumen bei einem der lokalen Winzer.

Wer nicht bis zur Endstation auf einen guten Tropfen oder andere kulinarische Genüsse warten will, kann sich für seine Wanderung vorab ein Winzer Picknick bestellen. Insgesamt 19 Winzer aus dem Wonnegau beteiligen sich an der Aktion und stellen Picknickkörbe mit rheinhessischen Köstlichkeiten zusammen.

Alle Informationen, Termine für Wanderungen oder Kartenmaterial zum Weg erhalten Interessierte in der Tourist Information Wonnegau am Bahnhof Osthofen oder unter wonnegau.de. coha/red


Wundervolle Weitblicke mit Toskana-Flair Image 2

Dieses Heisje wurde 1766 von Unterfauth Hirschel in Auftrag gegeben. In diesem befindet sich die Kommandozentrale der Wingertschütz. In der Treppe findet man die Jahreszahl 1977, scheinbar das Jahr der Renovierung. Hierbei wurde nur das Dach komplett verputzt. Damit die Bruchsteinwand sichtbar bleibt, wurden die Fugen mit Zement ausgefugt.


Wundervolle Weitblicke mit Toskana-Flair Image 3

1766 hatte Unterfauth Hirschel das große Wingertsheisje als Schutzhäuschen aus Bruchsteinen mit einem Tonnendach in Auftrag gegeben. Bei der Renovierung 2009 wurde es von Eckhard Steckert und Horst Schopp weiß verputzt. Die Gemeinde trug die Materialkosten. Das Dach sollte ursprünglich rot angestrichen werden. Weil die Farbe nicht reichte, wurde es dann rosa und heißt deshalb jetzt „das rosa Heisje“.


Wundervolle Weitblicke mit Toskana-Flair Image 4

Der Juliusturm ist im Stil eines mittelalterlichen Wehrturms erbaut. Verwendet wurden Bruchsteine, Backsteine und barocke Teile, unter anderem ein Grenzstein von 1600. Vom ersten Stock des Turmes gelangt man über eine Eisenleiter auf den Zinnengang. Baubeginn war im Frühjahr 1966, die Einweihung 1971. 1999 wurde der Turm renoviert. Er trägt den Namen seines Erbauers Julius Grünewald.


Wundervolle Weitblicke mit Toskana-Flair Image 5

Dieser Trullo mit Spitzdach wurde vermutlich Ende des 18. Jahrhunderts aus Bruchsteinen auf die Erde gebaut. Die Kuppel ähnelt der Form eines chinesischen Hutes. Deshalb trägt das Haus den Namen „Chinesisches Heisje“. Im Inneren verewigte sich Paul von Rebezky am 17. März 1932. Aus verarmtem ungarischem Adel stammend, arbeitete er im Weingut Albert Wechsler in Osthofen.


Wundervolle Weitblicke mit Toskana-Flair Image 6

Bevor die Familie Gallé das Heisje erwarb, war es fast vollständig verfallen. Seitdem wurde es restauriert und wird jetzt liebevoll in Schuss gehalten. Das abgesetzte Vordach soll die Form eines Fasses darstellen. Über der Tür befindet sich das Wappen der Familie Gallé mit der Jahreszahl der Renovierung. Diese war im Jahr 1988. Das Heisje trägt den Namen „Gallé-Blick“.


Fotos: Touristikverein Wonnegau
Fotos: Touristikverein Wonnegau

Michael F. Jung, Namensgeber und Initiator des Westhofener Wingertsheisje-Wanderweges, geht gerne mit seinem Hund spazieren und schaut nach dem Rechten.
  

Geschichte

Westhofen wurde erstmals am 29. Juli 774 als Seeheim im Lorscher Codex erwähnt. Dort heißt es: „In Christi Namen, am 29. Juli im 6. Jahr ( 774 ) des Königs Karl, übereignen wir, Sigilech und Malboto.........in pago wormat ( im Wonnegau ) in seeheimer marca 33 Morgen Land“. Durch den Königs- und Salhof „Westhofen“ erhielt der Ort den jetzigen Namen. Als Ortsname wurde Westhofen erstmals 991 erwähnt. Damit verlor die Siedlung Seeheim ihren Namen. Westhofen ist heute eine der größten Weinbaugemeinden Rheinhessens. Die Gemarkungsgröße beträgt 1400 Hektar, die bestockte Weinanbaufläche etwa 760 Hektar. Der Wein war hier schon immer ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Nicht umsonst wurden nachweislich 1766 durch den Unterfauth Hirschel 9 Weingarts Schützen Hütten gebaut. Aus dieser Zeit stammen auch die schönen barocken Bauten.