Was ist Geothermie?

Erneuerbare Energie aus dem Erdinneren nutzen

Erdwärmeheizungen nutzen eine schier unerschöpfliche Energiequelle unter der Erdoberfläche. Foto: studio_mh - stock.adobe

22.04.2022

Wenn es um die Erzeugung von Strom und Wärme geht, sind nicht nur Sonne, Wind und Wasser Alternativen zu fossilen Energieträgern. Unter der Erdoberfläche schlummert ebenfalls ein riesiges Energie-Potenzial: Erdwärme, auch Geothermie genannt. Je tiefer man in das Innere der Erde vordringt, desto wärmer wird es. In Mitteleuropa nimmt die Temperatur um etwa drei Grad pro 100 Meter Tiefe zu. Man geht davon aus, dass im Erdkern Temperaturen von etwa 5000 bis 7000 Grad erreicht werden. Diese in der Erde gespeicherte Wärme ist nach menschlichen Maßstäben unerschöpflich. Aus dem Innern unseres Planeten steigt ein ständiger Strom von Energie an die Oberfläche. Die Erde strahlt täglich etwa viermal mehr Energie in den Weltraum ab, als die Menschen derzeit an Energie verbrauchen.

Mit geothermischen Technologien kann dieses Potenzial nutzbar gemacht werden. Oberflächennahe Geothermie nutzt den Untergrund bis zu einer Tiefe von etwa 400 Metern und Temperaturen bis 25 Grad für das Beheizen und Kühlen von Gebäuden, technischen Anlagen und Infrastruktureinrichtungen. Hierzu wird die Wärme aus dem Erdreich und oberflächennahem Gestein oder aus dem Grundwasser gewonnen.

Tiefe Geothermie nutzt Lagerstätten, die in größeren Tiefen als 400 Meter unter Geländeoberkante erschlossen werden. Die Reservoirtypen sind hier im Prinzip die gleichen wie bei der oberflächennahen Geothermie. In der tiefen Geothermie unterscheidet man darüber hinaus zwischen Hochenthalpie- und Niederenthalpielagerstätten.

Neben der Oberfächennahen Geothermie und der Tiefen Geothermie gibt es außerdem Sondernutzungsformen zu denen saisonale Wärmespeicher sowie Geothermie aus Tunneln und Bergbauanlagen gehören. Aufgrund seiner Effizienz gilt Geothermie als wichtiger Bau- stein für die Energiewende, da sie nicht nur eine schier unerschöpfliche Quelle darstellt, sondern auch klimafreundlich, landschaftsschonend, wetterunabhängig und immer verfügbar ist. dho

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Geothermie-Technologien sind in Deutschland auf dem Vormarsch. Laut aktuellen Zahlen des Bundesverbandes Geothermie liegt die Anzahl der Anlagen, die Tiefe Geothermie nutzen, bei 42. Dabei handelt es sich um 30 Heizkraftwerke, 3 Kraftwerke und 9 Heizkraftwerke, die Wärme und Strom erzeugen. Sie liefern eine installierte Wärmeleistung von 349,71 Megawatt (MW) und eine installierte elektrische Leistung von 47 MW.

Die Anzahl der Anlagen mit oberflächennaher Geothermie, dazu zählen etwa Erdwärmesonden und Erdwärmekollektoren in Verbindung mit Wärmepumpen, liegt bei 440 000. Derzeit kommen jedes Jahr über 20 000 neue Anlagen dazu. Sie liefern etwa 4400 MW Energie.