„Was ich noch sagen wollte...“

Botschaften an Hinterbliebene

Vorher verfassten Botschaften können den Hinterbliebenen den Abschied erleichtern. Foto: Uwe Zucchi/

1.12.2021

Wer dem Tod gegenüber steht, hat meist viele Ängste. Eine große Sorge ist dabei oft, in Vergessenheit zu geraten und keine Spuren zu hinterlassen. „Auch wenn sie es nicht so wahrnehmen, wünschen sich viele Menschen ein Vermächtnis“, sagt der Palliativmediziner Prof. Sven Gottschling aus Homburg (Saarland). 

Den idealen Abschied gebe es aber nicht, meint Stefanie Schardien. Die Pfarrerin aus Fürth warnt davor, das Sterben geradezu perfektionieren zu wollen. Wer zum Beispiel aufgrund einer schweren Krankheit weiß, dass er oder sie nicht mehr lange zu leben hat, sollte sich auf diese Weise nicht noch zusätzlichen Druck machen. Wer etwas hinterlassen möchte, hat aber Möglichkeiten. Neben dem klassischen Brief kann ein Fotoalbum gebastelt oder ein Baum gepflanzt werden, der an den Verstorbenen erinnern soll.

Angehörige nicht überfordern

Grundsätzlich sei es eine schöne Idee, etwas für die Zeit nach dem Tod zu hinterlassen, findet auch die Familientherapeutin Valeska Riedel. „Man sollte sich aber fragen, in wieweit das wichtig ist oder ob es nicht besser ist, die Dinge in der Gegenwart – also solange man noch lebt – auszusprechen“, sagt Riedel. Dabei sollte sich der Sterbende seiner Verantwortung bewusst sein und überlegen, ob er mit seiner Nachricht den Angehörigen seine Liebe versichert oder sie eher quält: „Der oder diejenige, die geht, sollte sich bewusst sein, dass die Anderen weiterleben müssen“, stellt Pfarrerin Schardien klar. Manch Todkranker will Angehörigen auch Aufträge mitgeben, hat Gottschling erlebt. „Das kann eine Bürde sein, denn diese Botschaften haben eine große Strahlkraft“, sagt der Arzt. Ein Kind, dem man sagt, es sei nun „der Mann im Haus“, könnte damit leicht überfordert sein.

Bei aller Verantwortung gilt jedoch: Man sollte keine Angst davor haben, etwas falsch zu machen. Der größere Fehler wäre, es nicht zu machen, obwohl man das Bedürfnis hat§, meint Gottschling.

Verbündete für die Überraschungsuchen

Vorab sollte man sich fragen: In welcher Situation erreicht die Botschaft meine Lieben und was möchte ich auslösen? Wer zum Beispiel weiß, dass er die Hochzeit der eigenen Kinder oder die Volljährigkeit nicht mehr erleben wird, kann sich überlegen, für diesen Anlass eine Nachricht zu schreiben oder eine Videobotschaft aufzunehmen. Wer eine solche Überraschung plant, braucht dann auch einen Verbündeten, der das Geschenk oder den Brief zum verabredeten Zeitpunkt überreicht. Das kann wegen der großen Verantwortung Probleme mit sich bringen. „Ich würde am ehesten den eigenen Ehepartner oder einen Paten einweihen, denn der hat die nötige Lebenserfahrung“, rät Riedel.

Keine letzte Abrechnung planen

Die Experten warnen zugleich davor, aus Verzweiflung oder aus Groll heraus zu handeln und die Botschaft für eine letzte Abrechnung zu nutzen. „Es wäre schön, wenn man sich das verkneifen könnte, denn man kann sich sicher sein, dass die sitzt“, sagt Gottschling. „Die letzte Nachricht sollte keine offenen Fragen hinterlassen oder etwas andeuten, denn ein Nachfragen ist ja nicht mehr möglich“, ergänzt Schardien. Der Tod sei eine Zeit der Versöhnung, was aber auch nicht heiße, dass man alles zudeckt, was schiefgelaufen ist.

Aber warum sollte man eigentlich mit dem Verfassen von Botschaften warten, bis eine Krankheit den Tod heraufbeschwört? Der beste Zeitpunkt dafür ist jetzt. „Die Erfahrung zeigt, dass man danach abschließen und sich voll dem Leben widmen kann“, sagt Gottschling. mag


Für Frühlingsfreude auf dem Friedhof

Pflanzzeit: Zwiebelblumen setzen farbliche Akzente

Viele Menschen haben ein Grab in Pflege und besuchen den Friedhof mehr oder minder regelmäßig, um die Erinnerung an liebe Verstorbene aufrecht zu halten, aber auch, um nach dem Rechten zu sehen und die Blumen zu gießen. Im Herbst wird der Pflegeaufwand übersichtlicher: Das Grab wird aufgeräumt, die Gehölze geschnitten und das Unkraut ein letztes Mal gezupft. Zeitgleich können diese letzten Besuche auf dem Friedhof aber auch dazu nutzen werden, die Grabfläche schon für das nächste Jahr vorzubereiten: Denn Zwiebelblumen, die im Frühling blühen, müssen spätestens jetzt in die Erde.

Ob Narzissen, Tulpen oder Spanische Hasenglöckchen – mit geringem Aufwand an Zeit und Geld sieht das Grab zu Beginn des Jahres fröhlich anders aus, und der Besuch auf dem Friedhof wird zur besonderen Freude. Farblich muss man sich nicht zurückhalten, sondern kann aus dem Vollen schöpfen. Wer zudem verschiedene Blumenzwiebelsorten geschickt kombiniert und bei der Auswahl auf den Blütezeitpunkt achtet, der kann im Frühjahr über viele Wochen immer wieder neue Blüten entdecken. In Deutschland sind Zwiebelblumen auf Friedhöfen allerdings immer noch eine Seltenheit sind und bisher bepflanzen erst wenige Menschen ihre Gräber mit den zahlreichen bunten Frühlingsboten.

Auch zwischen Bodendeckern

Blumenzwiebeln lassen sich mit einem einfachen Schippchen in die Erde bringen. Wie viele man wählt, ist natürlich abhängig von der Größe des Grabes. Je nach Gestaltung und Grundbepflanzung bieten sich unterschiedliche Arten und Sorten an. Auch wer die Grabfläche komplett mit Bodendeckern wie Efeu oder dem Kleinen Immergrün gestaltet hat, muss auf bunte Frühjahrsblumen nicht verzichten. Einfach die Zwiebeln im Herbst tief genug zwischen die bestehende Bepflanzung in den Boden drücken – im Frühling wachsen die Frühblüher dann durch die geschlossene Pflanzendecke hindurch und nach der Blüte ziehen sie sich wieder zurück.

Einmal gepflanzt, erscheinen die meisten Zwiebelblumen in jedem Frühjahr erneut. Viele vermehren sich im Laufe der Zeit sogar und lassen dann einmal im Jahr einen zauberhaften Blütenteppich entstehen – beispielsweise Anemone blanda oder Muscari, die es beide in Weiß und Blau gibt, die helle Puschkinia, das zierliche Schneeglöckchen oder verschiedenfarbige Krokusse. red
 

Bei Trauerstörung Hilfe in Anspruch nehmen

Trauern braucht Zeit und kostet Kraft. Doch wer gar nicht mehr zurück in die Spur findet und wessen Gedanken nur noch um den Verstorbenen herum kreisen, der sollte sich irgendwann psychologische Hilfe holen. Fachleute sprechen von einer Trauerstörung.

Manche Menschen bleiben in ihrer Verarbeitung stecken und finden nicht in ihren Alltag zurück, erklärt die Psychologin Rita Rosner. „Sie können nicht mehr ihren Haushalt führen, ihren Job ausüben, treffen keine Freunde mehr“, sagt die Professorin für Klinische und Biologische Psychologie an der Universität Eichstätt-Ingolstadt in der Zeitschrift „Senioren Ratgeber“ (Ausgabe 06/2021).

Die Gedanken sind immer zu bei dem oder der Verstorbenen, häufig in Verbindung mit Schuldgefühlen oder Selbstvorwürfen. Ihr Rat: „Bessert sich die Stimmung nach einem halben Jahr nicht, ist es wichtig, sich Unterstützung bei einem Psychologen zu holen.“ Besonders schwer, sich von der Trauer zu befreien, fällt es Menschen demnach, wenn der langjährige Lebenspartner oder das eigene Kind stirbt, so Rosner. „Auch wer jemanden durch Suizid verloren hat, trauert häufig sehr lange und profitiert von professioneller Hilfe.“ mag