Mode-Event setzt Trends unter freiem Himmel
23.09.2019

Urban Fashion: ein Format, das mobilisiert und begeistert

Wer wissen möchte, was im Herbst/Winter modemäßig angesagt ist, sollte sich die Show nicht entgehen lassen. Fotos: Torsten Boor/Lukas Görlach

Viele erinnern sich noch an die fliegenden Röcke, schwingenden Mäntel und wehenden Haare. Das Sturmtief Fabienne kündigte sich im vergangenen Jahr mit böigem Wind und flatternden Fahnen rund um den Laufsteg an, bevor das vorzeitige Ende des Mode- Events verkündet werden musste. Das unberechenbare Wetter – ein Grund, über Veränderungen im Format Urban Fashion nachzudenken?

„Nein. Urban Fashion ist und bleibt eine Open-Air-Veranstaltung. Die Location ist alternativlos, wie man heute so schön sagt. Es ist einfach toll dort. Das Event lebt von Bildern mit Markthäusern und Dom im Hintergrund“, erklärt Martin Lepold. Der Vorsitzende der Werbegemeinschaft Mainz e.V. lässt die Situation 2018 noch einmal Revue passieren, erinnert sich an das wechselhafte Herbstwetter, das aufgrund einer aktuellen Sturmwarnung noch vor der finalen Show zum Abbruch führte.


Römerpassage Mainz GbR

Trotz des abrupten Endes am Laufsteg zieht der Juwelier ein positives Fazit für den Einzelhandel. Während des schlechten Wetters seien die Menschen in die Geschäfte geströmt, um zu bummeln, auszuwählen und einzukaufen. Daher sei Urban Fashion auch im vergangenen Jahr durchaus ein Erfolg gewesen. „Letztlich haben uns zwei Stunden gefehlt. Für alle, die nicht auf dem roten Teppich waren, war das natürlich sehr bedauerlich. Aber bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir ein tolles Programm, eine tolle Veranstaltung. Und: Man muss ja nicht jedes Jahr so ein Pech haben“, zeigt sich der Vorsitzende der ältesten und stärksten Interessengemeinschaft des Mainzer Einzelhandels optimistisch für die achte Auflage des Mode-Events. Dabei macht er deutlich, dass Urban Fashion keine Veranstaltung ist, die nur auf einen Tag, auf den verkaufsoffenen Sonntag am 22. September, fokussiert sei.
  

Die Show vor der Kulisse mit den Markthäusern und dem Dom im Hintergrund lockt jedes Jahr viele Besucher in die Mainzer Innenstadt.

Das Event beginnt schon Monate zuvor mit einem Casting, dessen Resonanz weiterhin ungebrochen ist. „Der Aufruf zum Casting funktioniert nach wie vor“ , weiß Martin Lepold. Überwiegend junge Bewerberinnen und Bewerber, aber auch ältere Models fühlen sich angesprochen – für manche ein Anreiz, sich erstmals im Modeln auszuprobieren. „Wir möchten normale Leute wie du und ich auf dem Laufsteg sehen. Menschen, die offen sind, etwas Besonderes auszuprobieren und etwas aus sich zu machen. Sie alle arbeiten auf hohem Niveau und zeigen hervorragende Model-Qualitäten.“

Inzwischen, berichtet Martin Lepold, sei hier eine herzliche Urban-Fashion-Familie zusammengewachsen. Daher lasse er es sich nie nehmen, die Teilnehmer des Castings persönlich zu begrüßen. „Ich erlebe es immer wieder von den Kolleginnen und Kollegen: Sie sind genau wie ich Feuer und Flamme von dem Format“, sagt der Geschäftsmann.

Man merkt ihm seine Begeisterung an, wenn er über Urban Fashion spricht – eine Show, die viele Menschen mobilisiert. Dabei hat er nicht nur die Models und die Modebranche im Blick, sondern auch diejenigen, die hinter den Kulissen agieren, den Ablauf planen, die Bühne aufbauen oder die Technik einrichten. Zudem wirken viele Models als Multiplikatoren, animieren Freunde und Familien mitzukommen, um sie beim Walk zu feiern und zu unterstützen. Dazu wird im Vorfeld viel in den Sozialen Medien gepostet, über aktuelle Fittings und Shootings berichtet, gelikt und geteilt – eine weitere attraktive Werbeplattform.

Zurück zur ursprünglichen Frage nach möglichen Veränderungen im Format. „Urban Fashion wird immer perfekter. Aber dennoch möchten wir es nicht immer so weiterlaufen lassen“, sagt der Vorsitzende der Werbegemeinschaft nachdenklich. In diesem Jahr werde zunächst nur an kleinen Stellschrauben gedreht. Doch direkt nach dem Modesonntag werde sich das Organisationsteam zusammensetzen und Neues entwickeln.

„Hierbei sind wir erst einmal ganz offen für neue Ideen, auch für zunächst Unvorstellbares. Es könnte zum Beispiel sein, dass wir das Ganze künftig noch mehr dezentralisieren oder vielleicht eine zweite große Bühne bespielen“, stellt er mögliche Überlegungen in den Raum. Vorstellbar sei zudem, dass Besucherinnen und Besucher schon in den Straßenbahnen auf Models treffen oder ihnen auf Fahrrädern in der City begegnen.

„Mit Urban Fashion ist es wie mit der Mode: Sie ändert sich von Zeit zu Zeit und setzt dabei immer wieder neue Trends.“ kbw
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