Naturbestattungen liegen seit ein paar Jahren im Trend

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Letzte Ruhestätte Wald

Eins mit der Natur nach dem Tod: Für viele eine tröstliche Vorstellung. Foto: yeon woo lee / Pixabay

Immer mehr Menschen möchten ihre letzte Ruhe im Wald oder zumindest unter einem Baum finden. Die wieder erstarkte Verbundenheit mit der Natur ist aber nur ein Grund für die Entscheidung gegen den Friedhof. Weit verstreut lebende Familienangehörige, die sich nicht um die Grabpflege kümmern können, und auch finanzielle Ursachen sind häufig Gründe für eine Beisetzung in der freien Natur. Die Zahl der Angebote ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Es gibt allein etwa 200 Bestattungswälder und darüber hinaus mehrere hundert, vielleicht sogar eine vierstellige Zahl an Friedhöfen, die Beisetzungen unter Bäumen anbieten.

Biologisch abbaubar

„Bei einer Wald- oder Baumbestattung wird die Asche eines Verstorbenen in einer biologisch abbaubaren Urne im Wurzelbereich eines Baumes beigesetzt“, erklärt Alexander Helbach von der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas in Königswinter. Manchmal werde die Asche auch ohne Gefäß direkt in ein Loch in die Erde gegeben. Es könne auch unter einem Strauch, an einem Felsen oder auf einer Lichtung liegen.

„Die Bestattung selbst ist nicht viel anders als auf einem normalen Friedhof“, sagt Helbach. Der Tote könne mit oder ohne Trauerfeier und mit oder ohne kirchliche Begleitung beigesetzt werden. Man hat aber mehr Freiheiten und könne die Trauerfeier etwas bunter gestalten.

Für die Trauerfeier stehen in der Regel einfach, aber hübsch gestaltete Andachtsplätze zur Verfügung. Von den üblichen Erd- oder Urnengräbern unterscheidet sich die Baumbestattung vor allem durch die naturnahe Belassenheit der Grabstätte. Es gibt keine Grabgestaltung durch Bepflanzung, einen Grabstein oder das Ablegen von Blumenschmuck. Die namentliche Kennzeichnung der Grabstätte erfolgt meistens durch ein kleines Messingschild, was am jeweiligen Baum angebracht wird. Andere Varianten sind ein gemeinsames Denkmal oder auf einigen Friedhöfen eine Grabplatte unter dem Baum.

Das Konzept stammt ursprünglich aus der Schweiz und wurde in Deutschland zum ersten Mal im Jahr 2001 von der FriedWald GmbH in der Nähe von Kassel angeboten. Mittlerweile gibt es zahlreiche Anbieter, auch immer mehr Kommunen bieten Baumbestattungen an – entweder in separaten Waldstücken oder unter bestehenden Baumbeständen auf ihren Friedhöfen. Als Bezeichnung dafür haben sich insbesondere Friedpark, aber auch Urnenhain oder Ruhehain durchgesetzt.

Die Kosten einer Naturbestattung schwanken. Von ganz billig bis sehr teuer sei alles möglich, sagt Helbach. Je schöner der Baum und je schöner die Stelle, desto mehr kostet das Grab. Auch von der Baumart und seiner Größe kann der Preis abhängen. Weitere Informationen gibt es unter www.aeternitas.de. coha

Am Ende des Lebens

Wo Patienten und Angehörige Hilfe bekommen

Bei schweren Erkrankungen kann es sein, dass irgendwann der Punkt kommt, an dem sich Patient und Arzt gegen weitere Therapien entscheiden. Für die Betroffenen und Angehörige ist das oft eine schwierige Situation. „Eine finale Erkrankung führt zu vielen Sorgen- und Problemfeldern innerhalb der Familie“, sagt Sonja Heyder vom Hospiz-Team Nürnberg.

Helfen lassen können sie sich zum Beispiel durch eine Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV). Anspruch darauf haben Patienten, die an einer unheilbaren Erkrankung leiden und keine weiteren kurativen Therapien mehr durchführen. Werden die nötigen Voraussetzungen erfüllt, übernehmen gesetzliche Krankenkassen die Kosten. Ärzte, Pfleger und Ehrenamtliche begleiten Patienten und Angehörigen bis zum Lebensende. „Wenn etwas ist, dann sind wir im Normalfall innerhalb von zehn Minuten vor Ort“, sagt Stefanie Wagner, Palliativärztin und Geschäftsführerin des Palliativteams SAPV Köln.

Es gehe aber auch um den Aufbau einer Versorgungsstruktur, ergänzt Heyder. Vor allem wenn Patienten ihren letzten Lebensabschnitt zu Hause verbringen möchten: Dann müssen unter Umständen Hilfsmittel angeschafft oder kleinere Umbaumaßnahmen durchgeführt werden.

Einen großen Stellenwert hat der Umgang mit der Angst: „Durch ganz viel Aufklärungsarbeit können wir den Patienten die Sorge nehmen, dass sie am Lebensende starke Schmerzen haben“, sagt Wagner. Auch Jan Gramm hilft Menschen dabei, die Angst vor dem Sterben abzubauen. Der Palliativpsychologe aus Frankfurt am Main arbeitet dabei unter anderem mit Entspannungstechniken und Fantasiereisen.

Palliativpsychologen können außerdem bei wichtigen Entscheidungen unterstützen: Möchte jemand die letzte Zeit zu Hause verbringen, oder ist ein Hospiz der bessere Ort? „Solche Entscheidungen sind hochpsychologische und schwierige Prozesse, bei denen wir die Patienten und ihre Familien unterstützen“, sagt Gramm. Mit den Angehörigen wirft Gramm oft einen Blick in die Zukunft: Welche Stationen kommen auf sie zu – emotional und organisatorisch? Welche Dinge sind zu erledigen, wer kann dabei helfen? An welches Wissen und welche bewährten Wege können sich die Angehörigen in schwierigen Situationen erinnern? „Wir schreiben all das auf und geben es den Angehörigen mit“, sagt Gramm. „So sehen sie nicht einen großen Berg vor sich, sondern einzelne Etappen. Das macht es für sie greifbarer.“

Bis der Tod tatsächlich eintritt, ist es nach Ansicht von Sonja Heyder wichtig, die letzte Lebensphase mit positiven Dingen zu füllen. Sie versuche, durch den Einsatz von ehrenamtlichen Hospizbegleitern „Anker- und Lichtpunkte“ zu setzen, letzte Wünsche zu erfüllen oder kleine Ausflüge zu ermöglichen. Auch Geburtstage in der Familie dürfen gefeiert werden. „Es müssen nicht immer nur alle Familienmitglieder mit Trauermiene herumsitzen. Wir lachen auch oft noch ganz viel mit den Patienten – selbst in der allerletzten Lebensphase.“ mag

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