Auf den Spuren der Nibelungen

Sagengestalten im Stadtbild / Karl Hofmann prägt einzigartigen Baustil

Winzerbrunnen in Worms, Kämmererstraße, von Gustav Nonnenmacher. Foto: Rudolf Uhrig

14.07.2021

Die Nibelungenfestspiele stehen in diesem Jahr ganz im Zeichen von „Luther“. Premiere ist am 16. Juli. Wer jetzt noch keine Karten reserviert hat, dürfte es schwer haben. Für alle Nibelungen-Fans haben wir uns deshalb auf die Spuren der Nibelungen in Worms begeben.

Auf der Internetseite der Stadt ist zu lesen: „Mit Hagendenkmal und Siegfriedbrunnen sind gleich zwei wichtige Sagen-Gestalten im Stadtbild verewigt. Der Nibelungenliedbrunnen in der Fußgängerzone zeigt Szenen der Sage. Siegfrieds Einzug in Worms, ein Sandsteinrelief, ist im Eingangsbereich der Stadtbibliothek, dem Haus zur Münze, zu bewundern. Am Torturmplatz wurde mit Siegfrieds Grab ein Hügelgrab nachgebildet. Nicht zu vergessen: der monumentale Nibelungen-Wandteppich im WORMSER Theater.“

Königinnenstreit am Dom

Also haben wir uns auf den Weg gemacht und all die Schauplätze erkundet. Am Dom kann man den Originalschauplatz des Königinnenstreites zwischen Kriemhild und Brunhild bewundern und an der Westseite des Doms liegt ein schwerer Felsbrocken, der Siegfriedstein. Ob es sich wohl um den Stein handelt, der vom Helden Siegfried der Nibelungensage nach dorthin geschleudert wurde?

Drachen in der Stadt

Auffällig: Überall in der Stadt begegnet man Drachen, ob als Figuren, in Wappen oder an Hausfassaden. Und wir haben noch mehr entdeckt: den Nibelungenstil. Dabei handelt es sich um eine Vermischung von Neuromanik und Darmstädter Jugendstil. „Erfunden“ wurde dieser einzigartige Baustil vom Architekten Karl Hofmann (1856 – 1933). Er war von 1886 bis 1897 in Worms als Stadtbaumeister tätig.

Eines der interessantesten Bauwerke neben dem Nibelungenturm ist sicherlich der ehemalige Wasserturm auf dem Karlsplatz, mit rund 58 Metern einer der höchsten Türme der Stadt. Der Hochbehälter fasste ursprünglich 1200 Kubikmeter. Bis 1962 diente er der Wasserversorgung. Ab 2007 wurde der Wasserturm aufwendig saniert und im Inneren komplett umgebaut. Er dient heute mehreren Parteien als „Wohnturm“.

In direkter Nachbarschaft, in der Ulrich-von-Hutten-Straße, wurde nach Plänen von Architekt Adolf Fuhrmann um 1905 auch ein dreigeschossiges Wohnhaus im Nibelungenstil/Jugendstil erbaut. Noch ein Stockwerk höher, also viergeschossig, ist die Neusatzschule, der neuromanische Monumentalbau aus schwarzem Granit sowie Rotund Gelbsandstein am Willy-Brand-Ring. Er wurde 1891 nach Plänen von Architekt Karl Hofmann errichtet. Heute befindet sich hier auch die Volkshochschule der Stadt Worms.

1900 folgte dann die Nibelungenschule. Roh behauene Sandsteinquader verleihen dem Gebäude, das aus einem dreigeschossigen Schulhaustrakt mit Arkadengang und Walmdächern, einem Wohnhaus für Schuldiener und Inspektor sowie einem Torturm besteht, ein rustikales Aussehen.

Auffällige Gebäudegruppe

Touristen, die mit der Bahn anreisen, bekommen sofort einen Einblick in den Nibelungenbaustil. Der Wormser Hauptbahnhof ist eine auffällige Gebäudegruppe im neuromanischen Stil. Errichtet wurde sie 1903 nach den Plänen von Fritz Klingholz. Die Ornamente des großen, rundbogigen Eingangs der Bahnhofshalle stellen die Entwicklung des Transportwesens dar. Der Fürstenpavillon diente dem Empfang hoher Gäste.

Übrigens: Auch am Bahnhof treffen wir auf einige Drachen. Wo genau? Schaut doch einfach mal vorbei. coha/red